Bunte Schorfheide

„Vereine sind der Klebstoff, der ein gemeinschaftliches Leben zusammenhält.“ – dies gab uns der Bürgermeister der Gemeinde Schorfheide im Landkreis Barnim, Uwe Schoknecht, mit auf den Weg.

In Schorfheide bzw. in Finowfurt zeigte sich in den letzten 10 Jahren deutlich, was Menschen, die sich gemeinsam engagieren, erreichen können. Über den Ort Finowfurt wurde seit 2009 immer wieder in der Presse berichtet, weil dort Privatpersonen auf einem Privatgrundstück am Ortsrand Rechtsrockkonzerte veranstalteten, die viele Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet anzogen. Als Reaktion darauf wurde das Aktionsbündnis „Bunte Schorfheide“ gegründet, das sich aktiv gegen die Rechtsrockkonzerte stellte und zeigte, dass Finowfurt keinen Platz für Intoleranz hat.

Im Gespräch mit dem Bürgermeister Uwe Schoknecht

Seit 2014 gab es, aufgrund von reger Zusammenarbeit von Verwaltung, Polizei und engagierten Bürgerinnen und Bürgern, keine neuen Konzertanmeldungen beim Ordnungsamt mehr. Uwe Schoknecht betonte allerdings mehrmals, dass man aus der Ausgangssituation auch etwas Positives ziehen könnte. So wäre der Aufbau dieses aktiven Netzwerkes, das jederzeit zu unterschiedlichsten Themen aktiv werden kann, ohne die Ereignisse seit 2009 nicht in dieser Stärke möglich gewesen. Davon profitiert mittlerweile die gesamte Gemeinde.

Uwe Schoknecht empfindet es als traurig, dass Finowfurt häufig nur mit Rechtsrockkonzerten in Verbindung gebracht wird und zeigte uns deshalb heute, dass Finowfurt noch so viel mehr ist. Seit 2010 findet beispielsweise jährlich ein Frühstück statt, welches von über 30 Vereinen getragen wird. Dort finden Engagierte die Möglichkeit zum lockeren Austausch miteinander.

Nach einem Gespräch im Rathaus gemeinsam mit Herr Schoknecht und der Leiterin des Ordnungs-, Schul- und Sozialamtes Peggy Sydow ging es für uns weiter zum Wasserwanderrastplatz Finowfurt „SoFi“. Der Rastplatz liegt direkt neben dem Rathaus. Das besondere an dieser Station ist, dass sie von einer Finowfurter Schülerfirma betrieben wird. Unterstützt von einem Sozialarbeiter des Finowfurter Jugendklubs, betreuen acht Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren den Kanuverleih, den angeschlossenen Zeltplatz und die Wohnmobilstellplätze.

Nachdem wir die Anlage ausgiebig angeschaut hatten und uns alles von Sozialpädagoge Joschi zeigen ließen, ging es für uns weiter zur Schule Finowfurt. Dort kamen wir mit der kommissarischen Schulleiterin Frau Kupfer ins Gespräch. Sie erzählte uns von verschiedenen Austauschprogrammen der Schule und von den Tätigkeiten der Schule mit dem Titel „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“. Zur Zeit besuchen etwa 510 Schülerinnen und Schüler die Klassenstufen 1 – 10.

Angegliedert und noch auf dem Schulgelände erreichbar liegt auch der Evangelische Jugendklub, der auch fest im Ganztagsangebot der Schule verankert ist. Dort werden zum Beispiel mit Solarzellen betriebene Boote gebaut, mit denen die Jugendlichen an Regatten teilnehmen. Die Angebote des Klubs können täglich, auch während der Pausenzeiten, in Anspruch genommen werden.

In der Bootswerkstatt des Klubs trafen wir auch auf den Gemeindepfarrer Ulf Haberkorn, der uns zu den drei in Finowfurt verlegten Stolpersteinen  führte. Die Stolpersteine wurden vor dem ehemaligen Kaufhaus Mahler verlegt, welches der jüdischen Familie Mahler gehörte. Die Steine sollen an Moritz, Herta und Ruth Mahler erinnern die 1942 und 1943 von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurden. Schülerinnen und Schüler der Finowfurter Schule waren an der Verlegung der Stolpersteine beteiligt und recherchierten z.B. die Biographien der drei Familienmitglieder.

 

Im Anschluss daran gab es ein gemeinsames Mittagessen und wir brachen, etwas geplättet von den vielen und intensiven Eindrücken, nach Eberswalde auf.

Autor IdaIdaVeröffentlicht am Kategorien 2018,B-Team