Das B-Team auf Fährrädern auf dem Weg durch Eberswalde

Nach dem ereignisreichen Vormittag war auch der Nachmittag geprägt von vielen Eindrücken in Eberswalde. Mit Herrn Jahns von der Bürgerstiftung Barnim Uckermark als Tour Guide begaben wir uns auf die Spuren von Rechtsextremismus in der DDR und den Folgen der Nichtaufarbeitung der Geschehnisse.
Als erste Station unserer Fahrradtour besuchten wir die Gedenkstätte für Amadeu Antonio. Er kam als angolanischer Vertragsarbeiter in die DDR. Im November 1990 wurde Amadeu von einer Gruppe Nazis zusammengeschlagen, wodurch er ins Koma fiel und zwei Wochen später seinen Verletzungen erlag. Dies war einer der ersten Todesfälle durch rassistische Gewalt nach der Wiedervereinigung. In dem Prozess zwei Jahre später wurden 5 der Jugendlichen verurteilt. Die maximale Strafe war 4 Jahre Haft.


2002 wurde die Amadeu Antonio Stiftung gegründet, welche unter anderem Opferschutz und Opferhilfe sowie kommunale Netzwerke fördert.
Wir setzten unsere Tour fort und standen vor dem Platz, wo sich das KZ-Außenlager Eberswalde befand welches nur noch in Form zweier unter Denkmalschutz stehenden Baracken existiert. Die Häftlinge in diesem Lager arbeiteten in der Firma Adelt, welche durch die Brüder Adelt geführt wurde, die bekennende Nazis in der Zeit waren. Dieses Außenlager war für die Bevölkerung sichtbar gewesen, aber die NS Zeit wurde in der DDR nicht weiter behandelt oder aufgearbeitet, wie es im Westen der Fall war. Nach dem Mauerfall wurde der Rechtsextremismus auch immer noch in den Regionen akzeptiert, was jedoch mit der Gründung des Toleranten Brandenburgs 1998 immer besser wurde.

Den denkmalgeschützten Baracken wird nun durch das Kanaltheater neues Leben eingehaucht. Die Theaterstücke beinhalten politische und überregionale Themen und das neuste Stück hat am 22. Juni 2018 in Eberswalde seine Premiere und trägt den Titel: 2038 – Die große Freiheit.
Ein weiterer Punkt der Tour war das Synagogen-Denkmal. Die Schrift welche das Denkmal ziert spricht für sich: „Über 700 Jahre hinweg lebten Juden in unserer Stadt und Region und feierten ihren Gottesdienst an unterschiedlichen Orten. An dieser Stelle weihte die jüdische Gemeinde [..] ihre Synagoge ein. 1931 setzte ein Blitzschlag die Synagoge in Brand. Herbeieilende Nachbarn halfen beim löschen. Am 9.11.1938 zerstörten Eberswalder Bürger die Synagoge. Schon am Tag darauf verpflichtete die Stadtverwaltung die jüdische Gemeinde den sofortigen Abriss der Ruinen zu veranlassen und zu bezahlen.[…] Viele Eberswalder Juden starben in Konzentrationslagern und auf Todesmärschen, einige auch durch Suizid.[…]
Ein sehr ereignisreicher Tag geht hier zu Ende und wir sind gespannt auf die morgigen Stationen.