„Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön…“

Heute waren wir in einem etwas anderen Tagungsraum in Flecken-Zechlin, um uns mit engagierten Menschen zum Thema „Flucht und Asyl“ zu unterhalten, nämlich auf einem Floß.  Dieses wurde in Rahmen des Projektes „Green peers“, welches unter anderem zur Berufsorientierung dient, von Jugendlichen gebaut. Auf unserer Floßfahrt unterhielten wir uns mit SozialarbeiterInnen über ihre tägliche Arbeit, insbesondere mit Geflüchteten. An Bord waren Mario Stärck (Jugendkoordinator aus Rheinsberg), Uta Lauterbach (mobile Jugendarbeit Wittstock und Demokratiewerkstatt), Matthias Stock (Jugendclub c60 Wittstock) und Carola Wöhlke (Projektleiterin „Green peers“) sowie der Leiter der Bildungsstätte in Flecken-Zechlin Robert Sprinzl.


Mario berichtete uns, dass in Rheinsberg der höchste Anteil an Geflüchteten in der Stadt wohnt. Er betreut unteranderem ein Zirkusprojekt, bei dem 50% geflüchtete Kinder und Jugendliche teilnehmen. Er berichtete von einer Geschichte, dass die Tochter einer rechtsextremen Familie ebenfalls an einem Projekt teilgenommen hat. Eines Tages kam das Mädchen zu Mario und fragte ob sie ihre zwei neuen Freunde mitbringen könne. Am nächsten Tag kam das Mädchen mit ihren neuen Freunden zum Zirkusprojekt und es waren zwei afghanische Mädchen. Am selben Tag war dann auch noch eine Bürgerversammlung, auf dem der Vater des Mädchen gegen Flüchtlinge hetzte. Mario sagte: „Ich habe innerlich gelacht, denn ich dachte mir, wenn der Vater wüsste, welche neuen Freundinnen seine eigene Tochter hat“. Alle lachen.
Uta hingegen, sagte uns, dass sie in ihrer täglichen Arbeit leider wenig mit Geflüchteten zu tun hat. Jedoch berichtete sie von einem Tanzprojekt, an dem viele geflüchtete Jugendliche teilnahmen, welches mit einer öffentlichen Aufführung gekrönt wurde. Dadurch haben sich untereinander auch viele Freundschaften gebildet. Auch Matthias hat in seiner täglichen Arbeit, so berichtete er, wenig Kontakt mit Geflüchteten. Die Jugendlichen seien zum einen meist sehr ländlich untergebracht aber zum anderen ist es auch sehr schwer mit den Jugendlichen in Kontakt zu treten, da es sich um eine Clearingsstelle handelt. In der Clearingsstelle sind die Jugendlichen in der Regel nur 3 Monate untergebracht. Ein weiterer Aspekt, den die SozialarbeiterInnen ansprachen, ist die Schulsituation. Viele Schulen stellen sich quer, wenn es darum geht, die Kinder und Jugendlichen in Schulen aufzunehmen bzw. zu integrieren. Dies hängt, zumindest wird dies vermutet, wahrscheinlich mit dem aktuellen Lehrermangel zusammen in den verschiedenen Regionen. Die Schulen haben dadurch auch schon Schwierigkeiten den „normalen“ Regelschulplan abzudecken, da ist möglicherweise die Integration eine weitere „Schwierigkeit“ die die Schulen mit abdecken müssten. Doch ist dies unmachbar? Ist diese Einstellung ein Weg zur gelingenden Integration von Kinder und Jugendlichen? Und was ist mit der im Grundgesetz verankerten Schulpflicht in Deutschland?
Im letzten Jahr bekamen die SozialarbeiterInnen auch schnell das Gefühl der Überforderung seitens der Geflüchteten zu spüren, denn auf dem sozialen Markt war eine Fülle an Hilfsangeboten, durch z.B. Initiativen, vorhanden. Dadurch sind auch bei sehr vielen Geflüchteten falsche Erwartungen an Deutschland entstanden. Sie dachten, in Deutschland seien alle nett; aber mussten dann auch negative Erfahrungen machen. Uta meinte „Wir haben den Ankommenden meist auch den Raum genommen, sich selbst zu entfalten.“
In Rheinsberg war im vergangenen Jahr sehr viel Wohnungsleerstand.  Kommunale Wohnungsträger wollten diesen Leerstand gerne Geflüchteten zur Verfügung stellen, was dankend angenommen wurde. Mario meinte, die Leute haben es manchmal gar nicht gemerkt, das Geflüchtete die neuen Nachbarn sind. Aber der Landkreis hat einen großen Fehler gemacht. Er hat ehemalige Hotels aufgekauft, um dort geballt Geflüchtete unterzubringen. Was natürlich auch negativ medial aufgenommen wurde.

In einem Punkt sind sich die SozialarbeiterInnen einig, es geht nicht darum unzählige neue Projekte für Geflüchtete zu machen, sondern bestehende Projekte weiter zu finanzieren und somit eine kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten. Dazu gehören auch unbefristete Arbeitsverträge und Planungssicherheit. Ein weiterer Aspekt der gewährleistet werden muss, ist der Deutschunterricht um Geflüchete so schnell wie möglich in Gesellschaft/Arbeit/ Schule zu integrieren. Leider war mit diesem Endresümee unsere Floßfahrt schon zu Ende und das B-Team verabschiedete sich von der Gruppe und natürlich von unserem guten Kapitän Dirk Stein.

Autor JanJanVeröffentlicht am Kategorien 2016,B-Team