Flucht – Gestern und Heute

Während unserer Tour beschäftigen wir uns vor Allem mit den Geschichten, Realitäten, Chancen und Problemen der aktuellen Flucht- und Asyl-Thematik in Brandenburg. Heute Nachmittag dagegen, waren wir diesbezüglich in der slawischen Geschichte unterwegs. Im Heimatmuseum Dissen haben wir einen Einblick in die Kultur und Geschichte des sorbisch-wendischen Volks bekommen, das heute ausschließlich in Deutschland lebt – unter Anderem eben hier in der Niederlausitz.

Die Sorben und Wenden sind heute eine nationale Minderheit in Deutschland, die einen besonderen Schutz erhalten. Sie sind ab dem 6. Jahrhundert in das Gebiet eingewandert und haben hier ihre kulturelle Identität und die sorbische Sprache erhalten. Im Laufe der Zeit ist die Geschichte des sorbisch-wendischen Volks durch die Völkerwanderung geprägt und später während der Zeit des Nationalsozialismus unterdrückt worden, weshalb Flucht und Migration ein zentrales Thema ist und war.

Bei unserem Besuch im Heimatmuseum Dissen, wurden wir von zwei Sorben kurz in einigen Räumen des Museums herumgeführt, wo wir etwas über die Theorie der alten Bräuche und Traditionen der Sorben und Wenden gehört haben, die so heute noch gelebt werden. Im Anschluss wurden wir dann in eine kleine Ansiedlung, dem Freilichtkomplex „Stary Lud“ geführt – einer Nachbildung eines Siedlungsabschnittes, in dem man sich direkt in das damalige Leben und den Alltag im slawischen Mittelalter hineinbegeben kann. Die Grubenhäuser, der heilige Hain, die Töpferbank, der Webstuhl und die Feuerstelle werden heute noch von Sorben und Wenden genutzt und teilweise belebt. Nicht nur Sorben aus der Region bewohnen Zeitweise die kleine Siedlung, gerade war zum Beispiel ein dänischer Wikinger zu Besuch. Wir wurden darüber aufgeklärt, wie sich das Leben damals gestaltet hat und wie was genutzt wurde. Neben den Erzählungen, durften wir uns auch an der praktischen Arbeit des Webens probieren. Im Anschluss wurde dann an der Feuerstelle traditionelles Brot gebacken und gegessen.

Frau Annett Noack, Integrations- und Behindertenbeauftragte im Landkreis Spree-Neiße, hat uns bei dem Termin besucht und wir konnten uns während dem abendlichen Lagerfeuer etwas mit ihr unterhalten. Uns hat natürlich die Frage interessiert, wie die Integration der 1200 Geflüchteten im Landkreis gestaltet wird und ob sie funktioniert. Frau Noack hat uns berichtet, dass es im Landkreis vor Allem bei der Unterbringung glücklicherweise wenig Probleme gab. Dadurch, dass es in den größeren Städten viel Leerstand gab, konnten Geflüchtete vor Allem in den Ballungsräumen, wie zum Beispiel Cottbus, untergebracht werden. Dort werden dann Deutschkurse angeboten, wie uns unsere Freunde am Vormittag erzählt haben, die selbst an den Kursen teilnehmen. Viele Ehrenamtliche und hilfsbereite Familien ermöglichen eine gute Eingliederung in den Städten und auch in den ländlichen Gebieten, in denen Geflüchtete nur zu kleinem Teil untergebracht worden sind. Wichtig ist hierbei die Kommunikation darüber, wieviel die Kommunen und die direkte Nachbarschaft tragen kann – Frau Noack zufolge ist die Bereitschaft der Menschen zu großem Teil da. Es ist wirklich toll, dass hier auf große Gemeinschaftsunterkünfte verzichtet werden konnte.

Uns war es auf der Tour auch wichtig grade diesen geschichtlichen Aspekt der autochthononen Minderheit der Sorben miteinzubeziehen. Es verdeutlicht einmal mehr, dass Flucht, Migration, Vertreibung und kulturelle  Unterschiede schon immer bestanden und Regionen wie die Lausitz, seit jeher geprägt haben. Wir haben erfahren, dass wenn man die verschiedenen Kulturen, Bräuche und Sitten, akzeptiert, eine vielfältige gemeinsame Identität geschaffen werden kann. Das beste Beispiel sind wohl ganz eindeutig: Kartoffeln mit Quark und Leinöl. Von den Sorben kam die Leinsaat und eine ganze Region erfreut sich seitdem an diesem wunderbaren Regionalgericht.

Integration kann gelingen, wenn man Unterschiede wahrnimmt, annimmt und trotzdem Gemeinsamkeiten sucht (und wenn es nur die Liebe für gutes Essen ist!).