Integration heißt: gemeinsam lachen

Uff. Das war ein ganz schön langer Tag. Über Frankfurt/Oder wurde ja schon einiges hier berichtet. Ich will euch daher hier nur noch einige Impressionen vom Abendgespräch in Müncheberg am Schloss Trebnitz geben.

Zunächst konnten wir spannende Einblicke in die Arbeit von Schloß Trebnitz Bildungs- und Begegnungszentrum e.V. bekommen. Der Verein betreibt im Dorf unter anderem den Dorfladen, hier bringen sich auch Geflüchtete ein. Auch findet sich in dem Gebäude das deutsch-polnische Jugendcafé, welches als Begegnungszentrum genutzt wird und eine Dauerausstellung mit Werken des Bildhauers Gustav Seitz. Auch in anderen Projekten macht der Verein tolle und integrative Jugendarbeit.

Bei unserem gemeinsamen Gesprächs- und Informationsabend in gemültlicher Atmosphäre waren außerdem Vertreter_innen der Berlin-Brandenburgische Landjugend e.V. vertreten, die uns von ihrer Arbeit und einigen Projekten erzählt haben. So hat der Verein auch ein Informationsportal zum Thema Flucht und Asyl aufgebaut.

Das für mich schönste Projekt ist ein „Lesezirkel-Koffer“  aus Fehrbellin gewesen. Die Kinder bestücken den Koffer selbst mit von ihnen ausgewählten Büchern. Dabei beschäftigen sie sich schon eine ganze Weile mit dem Thema „Wie leben ausländische Kinder bei uns in Deutschland?“. Letztes Jahr kamen zum Lesezirkel die ersten Geflüchteten mit dazu, unter anderem junge Menschen aus Bulgarien, Serbien und Nicaragua. Die Kinder haben Bücher aus ihrer Heimat in der Muttersprache vorgelesen und sie dann übersetzt. Zur Fußball-Weltmeisterschaft fingen die Kinder des Lesezirkels, vor allem Mädchen, an über den Unterschied von Frauen- und Männerfußball zu diskutieren. Warum Profifußballerinnen viel weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Und warum die mediale Öffentlichkeit bei den Fußball-Frauen eine viel geringere ist. Im Rahmen der Gespräche über das Thema, hatten die Kinder dann die Idee, ein Hörspiel dazu zu machen. So überlegten sie sich selbst den Text, welche Geräusche sie zur Umsetzung brauchen, wo sie die Geräusche finden und aufnehmen können und sprachen schließlich den Text ein. Das tolle und sehr bewegende Hörspiel kann man sich hier anhören.

Im Lesezirkel sprachen sie auch darüber wie Mädchen in der Heimat der jungen Geflüchteten leben und das die Mädchen in einigen Ländern nicht mal Fahrrad fahren dürfen.

Wenn…

…geflüchtete und einheimische Mädchen über Feminismus, Gleichberechtigung und mediale Öffentlichkeit von Sportgroßturnieren sprechen

…man sich mit der Politisierung von Sportereignissen und der Macht der Völkerverständigung durch Sport verständigt und sich darüber auch schon im Kindesalter austauscht

…gesamtgesellschaftliche Themen aus unterschiedlichen Perspektiven gemeinsam betrachtet werden

…dann ist Integration auf einem guten Weg. 

Wir sprachen am Schloss Trebnitz auch mit der Landtagsabgeordneten Simona Koß und dem 1. Beigeordneten von MOL, Herrn Friedemann Hanke. Spannend war dabei zu erfahren, wie gleich die Argumentation von sogenannten „WutbürgerInnen“ ist. Menschen, die Parteien nur aus Trotz wählen, um andere Parteien „abzustrafen“. Menschen, die keinen Gestaltungsanspruch an ihren eigenen Lebensraum haben und nur bis zum eigenen Gartentor denken. Trotzdem müssen sich sowohl die Landtagsabgeordneten und auch die Landkreisverwaltung mit den Sorgen und Ängsten beschäftigen. Herr Hanke erzählte, dass sie EinwohnerInnenversammlungen durchführten, bei denen keine Presse geladen war und nur die EinwohnerInnen selbst sowie die Verwaltung teilnehmen durfte. Hiermit sollte garantiert werden, dass die BürgerInnen frei von der Leber weg sagen konnten was sie dachten. So, meinte Herr Hanke, konnte die Landkreisverwaltung überhaupt dazu kommen gewisse Vorurteile, Fehlinformationen und Falschaussagen aus dem Weg zu räumen und die BürgerInnen über die tatsächlichen Gegebenheiten aufzuklären. Die Ängste und Gedanken der BürgerInnen wurden ernst genommen und nicht links liegen gelassen.
Auch Simona Koß erzählte, dass Sie kritische Kommentare ausdiskutiert und auf ihren zahlreichen Veranstaltungen und Terminen sich die Zeit nimmt mit den einzelnen BürgerInnen zu sprechen und eben ganz individuell auf die Argumente und Statements einzugehen, anstatt alles, was nicht zu 100% politisch korrekt ist, abzublocken und auszuschließen.

Auch ein wesentlicher Ansatz unserer Tour ist, miteinander ins Gespräch zu kommen, aufzuklären und überhaupt zu kommunizieren.

Daher möchten wir uns an dieser Stelle auch bei den zahlreichen MitarbeiterInnen der unterschiedlichsten Verwaltungen bedanken, die im letzten Jahr die Fakten und Gegebenheiten immer möglichst sachlich und klar präsentierten.

Integration, so waren sich alle einig, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie kann nicht von einem Dezernenten oder der Verwaltung allein bewältigt werden. Die Verwaltung ist jedoch dafür da, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Und da haben wir in den letzten Tagen schon einige gute Beispiele gesehen.

Danke, dafür.