Kobo…Cabo…Caboli was? Kaboli Polo!

Gestern Abend verschlug es unser B-Team in das Übergangswohnheim Luhme. Auf dem Plan stand gemeinsames Kochen mit den Geflüchteten. Zunächst sprachen wir allerdings mit zuständigen Sozialarbeiterin über die aktuelle Lage im Wohnheim, sowohl über Defizite als auch über positive Aspekte wurde ausführlich gesprochen.

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs wohnen etwa 55 Geflüchtete im ehemaligen Hotel, welches zuvor aufgrund wirtschaftlicher Diskrepanzen dicht gemacht hat. 30 dieser 55 Ansässigen leben permanent dort, die Hälfte der Leute verlassen den Ort, sobald sie ihre Papiere bekommen haben aufgrund der abgelegenen Lage des Wohnheims oder um zu ihren Familien oder Freunden in anderen Orten zu ziehen.

Es leben vor allem Syrer und Afghanen hier, berichtet uns die Leiterin. Trotz unterschiedlichster Religionen kommt es hier kaum zu Auseinandersetzungen, wenn dann eher aufgrund politischer Themen, zum Beispiel Debatten über Erdogan oder das Assad Regime.

Die Lage des Wohnkomplexes ist gerade mit Blick auf die zahlreichen Behördengänge und Freizeitgestaltung ein akutes Problem. Es gibt zwar mittlerweile eine Bushaltestelle nahe der Anlage, allerdings fährt der Bus dort nur wochentags, was Wochenendbeschäftigung schier unmöglich macht, und in der Woche auch nur sehr selten. Es wurden mittlerweile viele Fahrräder gespendet, allerdings nicht ausreichend, um alle Geflüchtete mit einem Rad auszustatten, aber zumindest können sie die Gegend erkunden.

Den Menschen soll ein möglichst normales Leben gewährleistet werden. Dazu gehört auch, dass sie bis auf den Deutschkurs und etwaige Amtsgänge, keine verpflichtenden Termine haben. Was möglichst selbstbestimmend wirken soll, hat aber auch eine negative Komponente: Es fehlt an einer Tagesstruktur, gerade die Jugendlichen leiden darunter. Jeder kocht für sich selbst, gemeinsame Aktivitäten fehlen. Der gemeinsame Deutschkurs und das Fitnessstudio spielen dabei eine wichtige Rolle, um zumindest ein wenig Struktur zu gewinnen für die jungen Geflüchteten. Psychologische Betreuung, die bei Einzelfällen wichtig wäre, gibt es vor Ort leider nicht.

Die vielen Arbeitswilligen scheitern vor allem an bürokratischen Hürden und der Gesetzgebung. Beispielsweise wurde der Stundenlohn für gemeinnützige Arbeit von 1,05 € auf 0,80 € gesenkt. Bei der Saisonarbeit werden von 100 € insgesamt 70 € abgegeben, sodass im Endeffekt nur 30 € für die Geflüchteten übrig bleiben.

Trotz alledem erleben wir die Menschen vor Ort als sehr barmherzige, höfliche Menschen. Gerade die Kinder sind sehr aufgeweckt und erstaunlich sicher im Gebrauch der deutschen Sprache. Trotz einiger Sprachbarrieren beim Kochen herrschte stets eine heitere Stimmung. Diverse afghanische Spezialitäten wie Kaboli Polo kamen auf den Tisch, aber dazu mehr im Anschluss der Tour in unserem Kochbuch. Nur so viel: Es war unglaublich lecker.

Bedrückend wurde die Stimmung noch einmal zum Schluss. Ein älteres Pärchen -zwei von insgesamt 25 ehrenamtlichen Ansprechpartnern im Dorf- kam, um eine serbische Familie zu verabschieden, welche abgeschoben werden soll. Die ganze Familie spricht sehr gutes Deutsch, aber als Geflüchtete aus einem „sicheren Herkunftsland“ (sog. „Wirtschaftsflüchtlinge“) hatten sie von Anfang an nur eine sehr geringe Bleibeperspektive. Hier fragt man sich: Warum werden arbeitswillige, sprachlich eloquente Menschen abgeschoben, die aufgrund der wirtschaftlich-miserablen Lage in ihrer Heimat hierher flüchten, um ihre Familie ernähren zu können? An dieser Stelle fällt mir ein, was die Sozialarbeiterin zuvor sagte: „Es geht um das Gesetz, nicht um die Menschen und ihre persönlichen Schicksale“. Ich finde, dass trifft es ziemlich genau. Gleichzeitig ist der Gedanke erschreckend.

Ob ich zum gemeinsamen Kochen wiederkommen würde? Definitiv. Auch, wenn die serbische Familie dann nicht mehr neben mir am Tisch sitzt.