Unser erster Tag: Brandenburgtag in Hoppegarten – Die Stimmen der Menschen vor Ort

Auf unserem ersten Halt in Hoppegarten kamen wir bereits mit zahlreichen Personen ins Gespräch. Nachfolgend will ich die Stimmen und Meinungen einiger dieser Menschen kurz zusammenfassen. Unter anderem sprachen wir mit den zwei Syrern Imed und Mohammed.


Mohammed kam vor 12 Monaten nach Deutschland. Zuvor flüchtete er mit seiner Familie nach Jordanien. Imed ist seit 8 Monaten in Deutschland. Seine 9 Geschwister und seine Eltern leben noch in Syrien. Die Kommunikation mit seiner Familie ist Imed nur alle zwei Wochen per Telefon möglich. Internet hat die Familie dort schon lange nicht mehr. Sowohl Imed als auch Mohammed wollen so schnell wie möglich Deutsch lernen; sie haben konkrete Zukunftsvorstellungen und -wünsche. Imed möchte am liebsten als Polizist oder als Pfleger im Krankenhaus arbeiten. Nebenbei schreibt er gerne Geschichten. Ein großer Wunsch von ihm ist diese so schnell wie möglich auch in Deutsch schreiben zu können, damit er auch andere daran teilhaben lassen kann. Beide sagen, dass es sehr schwer sei, die deutsche Sprache zu erlernen. Ich habe beide als sehr offen und warmherzige Menschen kennengelernt, die trotz rudimentärer Sprachkenntnisse gerne mit uns kommunizierten. Besonders erfreute mich, dass wir den beiden Syrern allein durch unser kleines Gespräch schon die deutsche Sprache näherbringen konnten. So lernten sie von uns Wörter wie „Doppelgänger“ und wir erläuterten den Unterschied zwischen „klein/jung“ und „groß/alt“.

Ein weiterer Herr sprach uns an dem Tag an und fragte, wo unserer Meinung nach Toleranz beginnt und aufhört. Und ob er es sich gefallen lassen müsse, wenn er als Nazi beschimpft wird, nur weil er eine andere Meinung vertrete. Im Laufe des Gespräches wurde uns deutlich, dass die jüngere Generation das Wort „Nazi“ recht schnell und pauschal benutzt, damit aber eher eine rassistische und ausländerfeindliche Einstellung verurteilen will. Für die älteren Generationen, die den Nationalsozialismus miterlebt haben, steht das Wort „Nazi“ dagegen eher für eine Person, die schwerwiegende Verbrechen begangen hat. Jede Person, die kein Verbrechen begangen hat, möchte sich verständlicherweise auch nicht als Verbrecher/in beschimpfen lassen. Wäre es daher nicht besser, anstatt vorschnell das Wort „Nazi“ zu benutzen, lieber Wörter wie ausländerfeindlich zu gebrauchen? Ob letzteres Wort dem Herrn allerdings besser gefallen hätte, ist fraglich.

Ein älteres  Pärchen kam mit uns über die aktuelle Landes- und Bundespolitik ins Gespräch. Sie äußerten ihre starke Unzufriedenheit über die aktuellen politischen Entscheidungen und teilten uns mit, dass sie zur „Strafe für die da oben“, ab sofort nur noch die AfD wählen würden. Auf Nachfrage unsererseits äußerten sie, dass sie das Programm gar nicht kennen würden und die zur Wahl antretenden Politiker der Partei auch nicht für kompetent halten- es geht nur darum ein Zeichen zu setzen und den etablierten Parteien ihre Unzufriedenheit zu signalisieren.

Viele Menschen wünschten uns an unserem ersten Tag eine erfolgreiche 14-tägige Tour. Neben zahlreichen Politikern tat dies auch ein älterer Mann, der auch seit längerem in der Willkommensinitiative Hoppegarten ehrenamtlich aktiv ist. Er verwies unter anderem darauf, dass es immer weniger Geflüchtete gibt, denen man als Willkommensinitiative helfen könnte.

Dies sind nur einige Eindrücke unserer zahlreichen Gespräche, die wir führten. Wir freuen uns bereits auf weitere konstruktive Begegnungen in den nächsten 13. Tagen.