Willkommen in Falkensee

Gemeinsam mit der Staatssekretärin Katrin Lange (Ministerium des Inneren und für Kommunales) waren wir heute von der Willkommensinitiative in Falkensee zum Mittagessen eingeladen.

Die Initiative „Willkommen in Falkensee“ wurde Ende 2013 gegründet und setzt sich „für eine weltoffene, demokratische und diskriminierungsfreie Gesellschaft“ ein. Das Engagement der ca. 80 sehr aktiven Ehrenamtlichen ist sehr bewundernswert und in einem unglaublichen Ausmaß. Zwei von ihnen, Ullaa Dieker und Christoph Böhmer, haben uns beispielsweise davon berichtet, dass sie in den Anfangszeiten bis zu 120h pro Woche in der Erstaufnahmeeinrichtung waren, um die Geflüchteten zu unterstützen.

Getroffen haben wir uns in einem Begegnungszentrum, das gerade erst entstanden ist. Die Räumlichkeiten wurden zusammen mit Geflüchteten umgebaut. Während wir in diesem neuen Standort die leckeren Gerichte aus Afghanistan und dem Iran aßen, haben wir die Möglichkeit genutzt, um die Initiative und die anwesenden Geflüchteten Jugendlichen besser kennen zu lernen.

Jeden zweiten Dienstag im Monat treffen sich die aktiven Mitglieder, die sich in der Initiative engagieren und besprechen alle Anliegen, die die ca. 500 Geflüchteten im Umkreis betreffen. Was soll passieren, wo gibt es Bedarf und wie soll etwas umgesetzt werden. Dorothee, eine der zwei anwesenden ehrenamtliche HelferInnen, die den Geflüchteten Deutschunterricht geben, haben uns an einem Beispiel geschildert, wie die Hilfe strukturell umgesetzt wird. Als der Bedarf an Deutschkursen definiert war, haben sich alle Menschen getroffen, die ehrenamtlich Unterricht anbieten wollten, um ihn zu organisieren. Es wurde ein Stundenplan erarbeitet, in dem jeder einen festen Termin eingetragen hat. Indem alle die gegebenen Kapazitäten der anderen berücksichtigen, ist ein Plan entstanden, in dem feste Kurse zu festen Zeiten angeboten werden. So können sich auch berufstätige HelferInnen konkret und vor Allem zeitlich festgelegt, einbringen.

Die Räume für das neue Begegnungszentrum spiegeln die Intentionen der Initiative sehr schön wieder. Das Erdgeschoss eines Eckhauses in der Innenstadt, mit großen, einladenen Schaufenstern. Der helle Raum, der zur Straße zeigt, ist groß und kann entsprechend für alle unterschiedlichen Aktivitäten genutzt werden. Die Licht durchflutete und offene Atmosphäre lädt Menschen, die daran vorbeilaufen, direkt dazu ein zumindest einen Blick rein zu werfen. Wenn die Gestaltung des Zentrums abgeschlossen ist, sollen alle interessierten Nachbarn und Besucher, eingeladen sein sich an dem Geschehen zu beteiligen. Momentan finden hier Beratungen, Hausaufgabenhilfe, Deutschkurse und Rederunden statt. Ullaa und Christoph haben uns von den Plänen erzählt, die bald umgesetzt werden. Bald soll ein Begegnungscafé entstehen, in dem die bunte Nachbarschaft zusammenkommt und gemeinsam Zeit verleben kann. Außerdem ist geplant, dass hier bald verschiedene Veranstaltungen, wie beispielsweise offene Dialoge, Filmvorführungen und Theaterabende stattfinden sollen.

Als wir uns nach der Stimmung im Ort erkundigten, wurde uns berichtet, dass es glücklicherweise kaum Stimmung gegen die Initiative gemacht wird. Die Toleranz der FalkenseerInnen ist gestiegen, seitdem Informationsveranstaltungen initiiert wurden. Daran sieht man, dass die gegenseitige aktive Einbindung von BürgerInnen und Geflüchteten eine massive Auswirkung auf die Akzeptanz und den Bestand der Vielfalt hat. Sobald eine sachliche Kommunikation in der Gesellschaft funktioniert, kann eine Inklusion erst gelingen. Das bildet immer und überall den Grundbaustein für ein Zusammenleben. Hier ist es gelungen, Menschen ins Gespräch miteinander zu bringen.

Der Meinung ist auch Christopher: „In Gesprächen entstehen Erkenntnisse, durch Erkenntnisse entsteht vertrauen, und dieses Vertauen wird in der Realität eben nicht gebrochen.“

Besonders schön zu sehen, war das gegenseitige Geben und Nehmen, von dem die Arbeit in der Initiative lebt. So lässt sich der Geist dieser Willkommensinitiative am Besten beschreiben.