Tag 2 – Statements, die Mut machen

„Weißt Du, eigentlich bräuchten wir Bienchen, oder Verdienstorden, die wir all’ den ehrenamtlich Engagierten anheften könnten, die wir treffen, für diesen unfassbaren Einsatz, die diese Menschen leisten.“ sprach meine B-Team-Kollegin grade zu mir.
Im Auto lassen wir den Tag und die Gespräche Revue passen. Gerade auf Volksfesten ist es möglich, die ungefilterten Meinungen der Gesamtgesellschaft mitzubekommen.


Klar ist, und das wollen wir auch gar nicht schönen, dass nicht alle Statements und Gespräche uns uneingeschränkt zustimmen.
So hatten wir gestern z.B. ein Gespräch mit einem Mann, der uns sagte, dass er rechts wähle, obwohl er weiß, dass die Parolen und die Versprechungen nicht stimmen. Er wolle lediglich den anderen Parteien einen Denkzettel verpassen – aus Trotz, sozusagen. Das, so könnte man meinen, wenn man ihm zuhört, ist Brandenburg.

Das erzählten wir heute einer Frau auf dem Erntefest in Paaren, die uns ihre Geschichte erzählte. Dass sie zu Hause aus dem Fenster auf einen Spielplatz schaut, in einem sogenannten „sozialen Brennpunkt“ und neue Nachbarn bemerkte. Die AsylbewerberInnen gerieten zunehmend mit den dort (und wir zitieren hier die Frau) „nicht gerade aus dem intellektuellen Milieu stammend, wenn Sie verstehen was ich meinen“ EinwohnerInnen in Konflikt.

Sie, eigentlich überhaupt nicht in der Thematik der Willkommenskultur verankert, ging zum Unterkunftsbetreiber und sagte, dass sie was tun müsse. Schließlich sah sie aus ihrem Fenster, dass es nicht an den Geflüchteten lag, dass es zu Auseinandersetzungen kam. Sie sagte uns:

„Wissense, es geht einfach nur darum, nicht so egoistisch zu sein.“ 

So einfach war das also. Keine Parteipolitik. Keine historische Verpflichtung, sondern einfach etwas helfen wollen. Sie zeigt den Kindern der Gemeinschaftskunft nun wöchentlich die schönsten Orte ihres Dorfs und erklärt ihnen die Möglichkeiten sich einzubringen und einfach mitzumachen. Mittlerweile haben sich viele, vor allem ältere Menschen (mit Zeit 😉 ) eingebracht und helfen mit.

Aus dem Engagement einer einzelnen Person ist eine richtige Initiative geworden.

Wer will uns da noch erzählen, dass eine Person allein nichts bewirken kann!?

Doch BrandenburgerInnen engagieren sich nicht nur in Brandenburg selbst. So erzählte uns ein Mann auf dem Brandenburgtag, dass er jedes Jahr für zwei Wochen nach Afrika fährt, um dort vor Ort zu helfen. Prävention zu leisten, sodass die Menschen nicht ihre Heimat verlassen müssen. Er ist der Ansicht, dass es unsere Pflicht ist, Flucht schon viel früher ins Auge zu fassen, nämlich dort wo sie anfängt. In der Heimat eines jeden Einzelnen, die nicht mehr Heimat sein kann. Wir, als EuropäerInnen, so sagte er, wären in der Pflicht schon viel früher einzugreifen und vor Ort zu helfen. Dort, wo das Elend ist.

Wir hatten erwartet – und auch gehofft – dass wir solche Geschichten und Erfahrungen hören werden. Aber, die wirklich persönlichen Beweggründe, einfach etwas Gutes tun zu wollen, jeder auf seine Weise, das gibt Hoffnung.

 

Das macht so viel Mut – Das ist Brandenburg.