Die B-Team Tour: Unser 11. Tag

Besuch an berufsorientierten Schule Kirchmöser

Am heutigen Morgen war die erste Station des B-Teams die berufsorientierte Schule Kirchmöser in Brandenburg an der Havel. Zusammen mit den Schülerinnen und Schülern führten wir einen Workshop zu unserem Tour-Thema „Flucht und Asyl“ durch. Zum Abschluss unseres Besuchs gestalteten wir zusammen ein Grafiti.

 

„Es sind Kinder, die einfach Kinder sind“

von Mara

Zum mittlerweile zweiten Mal während unserer Tour haben wir heute eine Erstaufnahmeeinrichtung besucht. Die Zeit in der EAE Eisenhüttenstadt war für uns alle eine unglaublich emotionale Erfahrung. Mit den dabei gewonnenen Eindrücken haben wir heute die EAE in Ferch/Glindow besucht. Die Anlage mit einer Kapazität von ca. 300 Menschen wird im Moment von 50 Geflüchteten bewohnt – überwiegend sind hier Familien und Alleinerziehende untergebracht. Gerade sind ein drittel der Bewohner Kinder und Jugendliche. Genau dieser Teil der Gruppe; „die Kleinen“ haben uns heute besonders interessiert.

Wie lebt und erlebt man die erste Zeit in diesem Land, wenn man nichts und niemanden kennt? Die EAE’s sind die allerersten Orte, in denen Geflüchtete untergebracht werden und sollten dementsprechend ausgestattet werden, um ein gutes Umfeld gestalten zu können. Doch die Bedingungen in den Unterkünften für Geflüchtete sind natürlich nicht die Besten. Länger als sechs Monate bleibt hier niemand, es ist ein Übergangsort. In der Theorie ist es kaum vorstellbar, wie man ohne richtigen Tagesablauf oder Alltag, ohne einen privaten Rückzugsort und ohne eine „langfristige Beschäftigung“ irgendeiner Art seine Zeit verbringen kann. Wir konnten uns mittlerweile zumindest ansatzweise ein Bild davon machen und haben gesehen, dass es vor allem für die Kinder unglaublich wichtig ist, gute Strukturen zu schaffen. Als Kind möchte man die Welt entdecken, alles sehen, alles verstehen – um das zu ermöglichen ist eine gute Begleitung im Alltag wichtig. In Ferch haben wir in diesem Bereich, wie ich finde, heute ein Vorzeigebeispiel kennengelernt, welches trotz vieler Hürden, und den Umständen verschuldeten Schwierigkeiten, funktioniert.

Um mehr über die Betreuung der jungen Menschen in Ferch zu erfahren, haben wir uns dort mit dem Erzieher Roland Böhm getroffen. Zu Anfang des Jahres hat er angefangen hier zu arbeiten, vorher war er in einer „Regelkita“. Als einziger Erzieher der gesamten Unterkunft, hat er mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Dennoch schafft er es durch großes Engagement, Angebote für alle zu gestalten. Er hat uns in der Unterkunft herumgeführt, zum Mittagessen eingeladen und von seinen Erfahrungen in der Arbeit mit den geflüchteten Kindern erzählt. Sofort hat man gemerkt, dass er mit Herz dabei ist und dass er einen offenen und positiven Blick auf die Arbeit hat. Die Chancen in dieser Situation zu erkennen, scheint in der Praxis vielleicht schwierig. Doch wer erkennt, dass „das Bedürfnis der Kinder, die Welt zu entdecken und zu verstehen immer da ist“, und dass die Kinder, „wenn wir Integration schaffen wollen, unsere Zukunft sind“, kann es nur ernst meinen. „Es sind Kinder, die einfach Kinder sind“ – Wie soll es auch anders sein?

Als er anfing hier zu arbeiten, richtete er ein Kinderzentrum ein, in dem heute alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit haben zu Malen, Basteln, Lernen, Lesen und in diesem Rahmen zwanglos deutsch zu Üben. Kinder jeden Alters und vieler Nationalitäten verbringen hier in einem bunten Miteinander ihre Tage. Das Kinderzentrum wird von den Kleinen als „Roland Schule“ bezeichnet. Um mehr altersgerechte Angebote umsetzen zu können, ist als nächstes großes Projekt geplant, gemeinsam mit den Jugendlichen Räume für einen Jugendclub zu gestalten. Neben der Fahrradwerkstatt soll eine Holzwerkstatt entstehen. In anderen Räumen sind Klassenzimmer eingerichtet, in denen Deutschkurse für alle BewohnerInnen der Einrichtung angeboten werden. Das Sozialteam der Einrichtung besteht neben Roland als Erzieher, aus einem Hausbetreuer und zwei Sozialbetreuern.

Finanzielle und ehrenamtliche Unterstützung bekommt die EAE auch durch das „Netzwerk der Hilfe“, welches als Willkommensinitiative Ende 2014 durch ein Projekt der Kirche in Caputh entstanden ist. Mittlerweile engagieren sich hier 130 BürgerInnen aus Schwielowsee, Werder und Umgebung. Da die Anlage der EAE in einem Industriegebiet liegt, ist hier keine unmittelbare Nachbarschaft zu finden. Doch um das Verständnis der Menschen im Umkreis zu fördern, werden zum Beispiel gemeinsam mit dem Netzwerk regelmäßig Willkommensfeste und Sommerfeste gefeiert. Das Netzwerk akquiriert unter anderem sehr viele Spenden nach Bedarf, der aus der Einrichtung kommuniziert wird. Doch die EAE benötigt, so Böhm, noch Supervision der MitarbeiterInnen und ein Budget, um Ausflüge oder Ähnliches zu finanzieren.

Nachdem wir mit Roland Böhm gegessen und über erste Inhalte gesprochen haben, sind wir raus gegangen und haben uns gemeinsam mit den Kindern, dem formen von Riesen-Seifenblasen, dem „Himmel-und-Hölle“ spielen und dem malen mit Straßenkreide gewidmet. So hatten wir bei sonnigem und heißem Wetter sehr viel Spaß zusammen. Die Stimmung war gut und es lag eine Leichtigkeit in der Luft. Die Kinder waren neugierig und haben sich über die Aktionen gefreut. Bei der überschaubaren Anzahl an Menschen, die auf dem Gelände herumirren und den lachenden Kindern vergisst man leicht, wo man gerade ist. Doch genau das beruhigt mich auch irgendwo – denn was wünscht man Kindern mehr, als Unbeschwertheit?

 

„Ein bisschen Küstenflair inmitten von Brandenburg“

von Jan

Auch an unserem 11 Tag der „Toleranzodyssee“ durch Brandenburg hatten wir zum wiederholten Male das Vergnügen wunderbare Menschen zu treffen. Diesmal fand unser Termin in einer Unterkunft für minderjährige unbegleitete Geflüchtete statt, dem Ankerhaus. Dabei handelt es sich um ein Eckhaus im beschaulichen Örtchen Caputh.

Aufgrund der außerordentlichen Hitze wurde das Treffen vom Sportplatz vor der Unterkunft in den schattigen Innenhof verlegt. Begrüßt wurden wir zuerst durch den gewaltigen Kletterturm der Brandenburgischen Sportjugend und anschließend vom „Kapitän“ Herrn Hansen höchst selbst. Er ist der Leiter der Unterkunft und stellte uns, nach einem raschen „Moin, Moin“ den anderen Beteiligten vor. Neben den Anwohnern des Ankerhauses war auch der Ortsvorstand von Caputh dabei.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde in zwangloser Atmosphäre, ein paar Erfrischungen und Melonenscheiben, ging es sofort ans Hauptevent, das Klettern. Nach zaghaften ersten Kontakten mit dem ungewöhnlichen Sportgerät Kletterwand waren auch die letzten Berührungsängste verschwunden und es wurde munter drauf los gekraxelt.

Auch das B-Team hatte Gelegenheit seine Künste an der Wand unter beweis zu stellen. Zudem fand auch unsere Graffiti-Aktion großen Anklang, da nicht nur unser Banner bemalt wurde, sondern auch die Tore der Einfahrt mit diversen Namen, Zeichen und Bildern in allen Farben und unterschiedlichen Sprachen aufgehübscht wurden.

Deshalb hing nach kurzer Zeit eine fröhliche Stimmung über dem Hof und immer mehr Anwohner kamen dazu, um dem Treiben zu folgen, da wir auch mittels unseres B-Team-Buses für die nötige musikalische Untermalung sorgten. So kam es auch, dass wir Tarek und seinen Vormund, Friedrich den neuen Praktikanten sowie einigen anderen Bewohner kennen lernten, außerdem war die hauseigene „Bestie“ Jones auch vor Ort. Dabei handelt es sich um den Hund des Sozialarbeiters Olli, der sich bei fast allen größter Beliebtheit erfreute. Jones gehört zu der Art Haustier, die mit Leichtigkeit über die Tischkante schauen kann und so quasi immer mit am Tisch sitzt. Eben so groß wie er ist, so lieb und freundlich ist er auch. Ein Hund zum gernhaben, welchem es genügt, dass jemand mit ihm spielt und nicht wer mit ihm spielt. Ein tierisch gutes Vorbild für uns Menschen, die das an manchen Stellen vergessen haben.

Zwei der Jungs, die in dem Haus wohnten, führten uns im Anschluss durch das geräumige Haus und zeigten uns den Essensraum, das Gemeinschaftszimmer und die Küche. Nach einem kurzen Tischtennisturnier und einem Einblick in den Keller war unsere Tour auch schon beendet. Wir halfen gemeinsam sowohl der Sportjugend ihren Anhänger auf die Straße zu schieben, als auch den Gastgebern beim Zusammenräumen, bevor wir zum Blütencamp Riegelspitze zurückkehrten.