Die B-Team Tour: Unser 2. Tag

Statements, die Mut machen

von Josephin

„Weißt Du, eigentlich bräuchten wir Bienchen, oder Verdienstorden, die wir all’ den ehrenamtlich Engagierten anheften könnten, die wir treffen, für diesen unfassbaren Einsatz, die diese Menschen leisten.“ sprach meine B-Team-Kollegin grade zu mir.
Im Auto lassen wir den Tag und die Gespräche Revue passen. Gerade auf Volksfesten ist es möglich, die ungefilterten Meinungen der Gesamtgesellschaft mitzubekommen.

Klar ist, und das wollen wir auch gar nicht schönen, dass nicht alle Statements und Gespräche uns uneingeschränkt zustimmen.
So hatten wir gestern z.B. ein Gespräch mit einem Mann, der uns sagte, dass er rechts wähle, obwohl er weiß, dass die Parolen und die Versprechungen nicht stimmen. Er wolle lediglich den anderen Parteien einen Denkzettel verpassen – aus Trotz, sozusagen. Das, so könnte man meinen, wenn man ihm zuhört, ist Brandenburg.

Das erzählten wir heute einer Frau auf dem Erntefest in Paaren, die uns ihre Geschichte erzählte. Dass sie zu Hause aus dem Fenster auf einen Spielplatz schaut, in einem sogenannten „sozialen Brennpunkt“ und neue Nachbarn bemerkte. Die AsylbewerberInnen gerieten zunehmend mit den dort (und wir zitieren hier die Frau) „nicht gerade aus dem intellektuellen Milieu stammend, wenn Sie verstehen was ich meinen“ EinwohnerInnen in Konflikt.

Sie, eigentlich überhaupt nicht in der Thematik der Willkommenskultur verankert, ging zum Unterkunftsbetreiber und sagte, dass sie was tun müsse. Schließlich sah sie aus ihrem Fenster, dass es nicht an den Geflüchteten lag, dass es zu Auseinandersetzungen kam. Sie sagte uns:

„Wissense, es geht einfach nur darum, nicht so egoistisch zu sein.“ 

So einfach war das also. Keine Parteipolitik. Keine historische Verpflichtung, sondern einfach etwas helfen wollen. Sie zeigt den Kindern der Gemeinschaftskunft nun wöchentlich die schönsten Orte ihres Dorfs und erklärt ihnen die Möglichkeiten sich einzubringen und einfach mitzumachen. Mittlerweile haben sich viele, vor allem ältere Menschen (mit Zeit 😉 ) eingebracht und helfen mit.

Aus dem Engagement einer einzelnen Person ist eine richtige Initiative geworden.

Wer will uns da noch erzählen, dass eine Person allein nichts bewirken kann!?

Doch BrandenburgerInnen engagieren sich nicht nur in Brandenburg selbst. So erzählte uns ein Mann auf dem Brandenburgtag, dass er jedes Jahr für zwei Wochen nach Afrika fährt, um dort vor Ort zu helfen. Prävention zu leisten, sodass die Menschen nicht ihre Heimat verlassen müssen. Er ist der Ansicht, dass es unsere Pflicht ist, Flucht schon viel früher ins Auge zu fassen, nämlich dort wo sie anfängt. In der Heimat eines jeden Einzelnen, die nicht mehr Heimat sein kann. Wir, als EuropäerInnen, so sagte er, wären in der Pflicht schon viel früher einzugreifen und vor Ort zu helfen. Dort, wo das Elend ist.

Wir hatten erwartet – und auch gehofft – dass wir solche Geschichten und Erfahrungen hören werden. Aber, die wirklich persönlichen Beweggründe, einfach etwas Gutes tun zu wollen, jeder auf seine Weise, das gibt Hoffnung.

Das macht so viel Mut – Das ist Brandenburg.

 

Kick it like Messi

von Carolin

Am 2. Tag besuchten wir das Training von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF) in Potsdam Babelsberg. „Welcome United 03“ wurde von SV Babelsberg 03 ins Leben gerufen, um Geflüchteten die Chance zu geben im Fußball-Wettbewerb offiziell teilzunehmen. Diese Mannschaft spielt mittlerweile schon in der 1. Kreisliga. Aus dieser Initaitive ist ein Projekt entstanden, welches unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten die Möglichkeit bieten will an einem wöchentlichen Fußballtrianing teilzunehmen. Und wir hatten heute die Möglichkeit, dieses zu besuchen. Wir lernten nicht nur die Fußballspieler kennen, sondern auch die Betreuer und Trainer. Dazu folgendes Gedächtnisprotokoll:

Caro: Wie hat sich diese Fußballmannschaft gebildet?
Trainer: Wir haben in Unterkünften Ankündigungen für ein Fußballtraining gemacht, zu dem alle, die Lust hatten, herzlich eingeladen waren. Anfangs kamen sehr viele begeisterte Fußballspieler, was jedoch mit der Zeit weniger wurde. Mittlerweile haben wir ein gut aufgestelltes Team.
Caro: Gibt es in Babelsberg eine weitere Fußballmannschaft mit Geflüchteten? Oder ist dies die Einzige?

Trainer: Nein, wir haben auch noch die Mannschaft „Welcome United 03“. Sie müssen wissen, dass sowohl die Mannschaft „Welcome United 03“ als auch das Training für die unbegleiteten minderjähren Flüchtlinge ein gemeinsames Projekt ist. Die Fußballmannschaft „Welcome United 03“ spielt jedoch schon in der 4. Liga. Erst letztens hatten wir ein Spiel gegen Energie Cottbus.

Caro: Wie wird dieses Projekt finanziert? Es sind doch sicherlich viele Ausgaben, beispielsweise die Ausstattung.

Trainer: Wir bekommen einen Teil der Mittel von der Stadt Potsdam und einen weiteren Teil erhalten wir durch das Sponsoring unserer Mannschaft „Welcome United 03“. Dadurch finanzieren wir auch die Ausstattung unserer Mannschaft der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten.

Caro: Haben einige der Jungs in ihrer Heimat bereits Erfahrungen im Fußball gesammelt?

Trainer: Ja, einige können sogar richtig gut spielen. So haben wir zum Beispiel einen Spieler dabei, der bereits in seiner Heimat Geld mit Fußball verdiente. Das führt jedoch manchmal dazu, dass einige der Spieler sehr ehrgeizig sind und dadurch gelegentlich das Temperament der jungen Spieler durchkommt. Aber das sehen wir ja auch in den Bundesligen.

Caro: Habt ihr Probleme mit rechten Anfeindungen?

Trainer: Nein. Wir haben das Glück, dass wir eine starke antirassistische Fankurve haben. Sie unterstützen uns in unserem Projekt und sind eine große Unterstützung.

Caro: Können unsere Jungs auch mal mit eurer Mannschaft eine Runde Fußball spielen?
Trainer: Klar, kein Problem!

Und schon ging es los. Der Anpfiff folgte und das Spiel begann. Als nach 30 Minuten der Abpfiff zur Halbzeit folgte, waren unsere Jungs ganz froh über die Verschnaufpause. Gleichzeitig mussten wir uns in der Verschnaufpause von der Mannschaft, dem Trainer und den Begleitern verabschieden. So ging ein sportlicher und ereignisreicher Tag zu Ende.