Die B-Team Tour: Unser 9. Tag

Erlebnispädagogische Abenteuerreise durch die Kleine Heide

von Henrik

Am Sonntag besuchte das B-Team den Ort Prenzlau. Dort erwartete uns der Jugendsozialarbeiter Holger Schubert sowie junge Familien aus Afghanistan und Syrien. Zusammen machten wir uns auf eine Abenteuerreise durch die „Kleine Heide“, einem sehr schönen Wald in der Uckermark. Voller Tatendrang brachen wir auf Richtung Wald, mussten jedoch feststellen, dass dieser „verschlossen“ war. Unsere erste Aufgabe bestand daher darin, den großen Schlossriegel in Form eines Baumstammes von einer Seite des Waldweges auf die andere Seite des Waldweges zu ziehen. Keine leichte Aufgabe. Doch mit vereinten Kräften gelang es uns, den Baumstamm zu bewegen. Der Weg war damit für uns frei.

Dann ging es weiter. Immer tiefer in den Wald hinein. Bis wir zu einem Tisch kamen, auf dem bereits einige Pflanzen aus dem Wald bereitlagen. Darunter unter anderem Blätter einer Esche, einer Eiche, aber auch Moos und ein leeres Schneckenhaus. Bevor wir weitergehen konnten, wurden uns erst die Pflanzennamen beigebracht. Die Kinder lernten die neuen Wörter wie „Moos“ oder „Schnecke“ sehr schnell auswendig. Anschließend sollten wir gemeinsam alle aufgetischten Pflanzen erneut im Wald suchen.

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Bei einem dritten Halt im Wald kam es in der Gruppe besonders auf unseren Gleichgewichtssinn an. Nacheinander mussten wir einen Kletterparkour überwinden. Wer runtergefallen ist, musste von vorne beginnen.

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Ein wenig höher hinaus ging es dann bei unserer vierten Station. Mehrere Meter über dem Boden mussten jeweils zwei Erwachsene zusammen mit zwei Kindern ein großes Seil/Band überwinden. Nervenkitzel pur.

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Nachdem wir alle Aufgaben erfolgreich bewältigt hatten, kamen wir zu einem kleinen Waldspielplatz. Doch entzündeten wir ein Feuer. Die Kinder suchten Stöcke im Wald, die anschließend angespitzt wurden. Jedes Kind bekam ein Stock und konnte am Lagerfeuer Hefeklöße oder Würstchen grillen. Sehr verdient, nach den hervorragenden Leistungen im Wald.

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Auch der Bürgermeister der Stadt Prenzlau Herr Hendrik Sommer kam vorbei. Das B-Team informierte sich bei ihm über die Situation der Geflüchteten in der Stadt. Als ganz wichtig stellte sich heraus, das schnelles Verwaltungshandeln viele Probleme löst. Auch vorherige Gespräche sind essentiell. Als beispielsweise die Stadt angerufen wurde und die anrufende Person mitteilte, dass sie sich nachts auf einem Fahrradweg der Stadt verängstigt fühle, da das Licht bereits ab 22 Uhr ausgemacht wird, konnte innerhalb weniger Tage geklärt werden, dass das Licht fortan bis 24 Uhr an bleibt. Die Person war zufrieden. Ein weiterer Bürger der Stadt rief an, weil eine Bushaltestelle durch die Geflüchteten angeblich total verdreckt werde. Innerhalb 24 Stunden konnten zwei Mülleimer angebracht werden. Der Bürger war zufrieden. Dass dieses schnelle und unkomplizierte Verwaltungshandeln so wichtig ist, spiegelt sich auch in den Bürgerversammlungen wieder. Während bei der ersten Versammlung noch 600 Bürgerinnen und Bürger anwesend waren, so waren es bei einer zweiten Versammlung nur noch 250 und bei einer dritten 30. Für den Bürgermeister ein klares Zeichen, dass Probleme der Bürgerinnen und Bürger gelöst werden konnten und Ängste und Sorgen abgebaut wurden.

Ein rundum gelungener und sehr ereignisreicher Vormittag ging damit für das B-Team zu Ende. Besonders freuen wir uns, dass geplant wird, in Prenzlau auch zukünftig Events dieser Art durchzuführen, bei denen Kinder mit und ohne Fluchterfahrung gemeinsam Aufgaben bewältigen und den Wald erleben können.

 

Kobo…Cabo…Caboli was? Kaboli Polo!

von Tim

Gestern Abend verschlug es unser B-Team in das Übergangswohnheim Luhme. Auf dem Plan stand gemeinsames Kochen mit den Geflüchteten. Zunächst sprachen wir allerdings mit zuständigen Sozialarbeiterin über die aktuelle Lage im Wohnheim, sowohl über Defizite als auch über positive Aspekte wurde ausführlich gesprochen.

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs wohnen etwa 55 Geflüchtete im ehemaligen Hotel, welches zuvor aufgrund wirtschaftlicher Diskrepanzen dicht gemacht hat. 30 dieser 55 Ansässigen leben permanent dort, die Hälfte der Leute verlassen den Ort, sobald sie ihre Papiere bekommen haben aufgrund der abgelegenen Lage des Wohnheims oder um zu ihren Familien oder Freunden in anderen Orten zu ziehen.

Es leben vor allem Syrer und Afghanen hier, berichtet uns die Leiterin. Trotz unterschiedlichster Religionen kommt es hier kaum zu Auseinandersetzungen, wenn dann eher aufgrund politischer Themen, zum Beispiel Debatten über Erdogan oder das Assad Regime.

Die Lage des Wohnkomplexes ist gerade mit Blick auf die zahlreichen Behördengänge und Freizeitgestaltung ein akutes Problem. Es gibt zwar mittlerweile eine Bushaltestelle nahe der Anlage, allerdings fährt der Bus dort nur wochentags, was Wochenendbeschäftigung schier unmöglich macht, und in der Woche auch nur sehr selten. Es wurden mittlerweile viele Fahrräder gespendet, allerdings nicht ausreichend, um alle Geflüchtete mit einem Rad auszustatten, aber zumindest können sie die Gegend erkunden.

Den Menschen soll ein möglichst normales Leben gewährleistet werden. Dazu gehört auch, dass sie bis auf den Deutschkurs und etwaige Amtsgänge, keine verpflichtenden Termine haben. Was möglichst selbstbestimmend wirken soll, hat aber auch eine negative Komponente: Es fehlt an einer Tagesstruktur, gerade die Jugendlichen leiden darunter. Jeder kocht für sich selbst, gemeinsame Aktivitäten fehlen. Der gemeinsame Deutschkurs und das Fitnessstudio spielen dabei eine wichtige Rolle, um zumindest ein wenig Struktur zu gewinnen für die jungen Geflüchteten. Psychologische Betreuung, die bei Einzelfällen wichtig wäre, gibt es vor Ort leider nicht.

Die vielen Arbeitswilligen scheitern vor allem an bürokratischen Hürden und der Gesetzgebung. Beispielsweise wurde der Stundenlohn für gemeinnützige Arbeit von 1,05 € auf 0,80 € gesenkt. Bei der Saisonarbeit werden von 100 € insgesamt 70 € abgegeben, sodass im Endeffekt nur 30 € für die Geflüchteten übrig bleiben.

Trotz alledem erleben wir die Menschen vor Ort als sehr barmherzige, höfliche Menschen. Gerade die Kinder sind sehr aufgeweckt und erstaunlich sicher im Gebrauch der deutschen Sprache. Trotz einiger Sprachbarrieren beim Kochen herrschte stets eine heitere Stimmung. Diverse afghanische Spezialitäten wie Kaboli Polo kamen auf den Tisch, aber dazu mehr im Anschluss der Tour in unserem Kochbuch. Nur so viel: Es war unglaublich lecker.

Bedrückend wurde die Stimmung noch einmal zum Schluss. Ein älteres Pärchen -zwei von insgesamt 25 ehrenamtlichen Ansprechpartnern im Dorf- kam, um eine serbische Familie zu verabschieden, welche abgeschoben werden soll. Die ganze Familie spricht sehr gutes Deutsch, aber als Geflüchtete aus einem „sicheren Herkunftsland“ (sog. „Wirtschaftsflüchtlinge“) hatten sie von Anfang an nur eine sehr geringe Bleibeperspektive. Hier fragt man sich: Warum werden arbeitswillige, sprachlich eloquente Menschen abgeschoben, die aufgrund der wirtschaftlich-miserablen Lage in ihrer Heimat hierher flüchten, um ihre Familie ernähren zu können? An dieser Stelle fällt mir ein, was die Sozialarbeiterin zuvor sagte: „Es geht um das Gesetz, nicht um die Menschen und ihre persönlichen Schicksale“. Ich finde, dass trifft es ziemlich genau. Gleichzeitig ist der Gedanke erschreckend.

Ob ich zum gemeinsamen Kochen wiederkommen würde? Definitiv. Auch, wenn die serbische Familie dann nicht mehr neben mir am Tisch sitzt.